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SkillSoft befragt 2400 Beschäftigte: Schulung in Deutschland zu wenig strategisch
64 Prozent der Befragten reklamieren fehlende Zeit für WeiterbildungEin Bericht von Leonard Fromm.
12. November 2007. Im europäischen Ausland wird Schulung deutlich häufiger als Teil der Unternehmensstrategie verstanden als in Deutschland. Dies hat eine Umfrage unter 2400 Beschäftigten in acht Ländern ergeben. Demnach liegt Deutschland mit 74 Prozent 13 Prozentpunkte unter dem Durchschnitt. Spitzenreiter ist England, wo 93 Prozent der Firmen Weiterbildung strategisch betreiben.
Befragt hatte der US-amerikanische e-Learning-Komplettanbieter SkillSoft im August Beschäftigte aller Bereiche aus Firmen mit mehr als 1000 Mitarbeitern in acht europäischen Ländern, darunter 300 Befragte aus Deutschland. Innerhalb der Branchen ist die Streuung jedoch auch hierzulande groß: In Personal- und Marketingabteilungen wird demnach wohl am wenigsten dem Zufall überlassen. Werte zwischen 80 und 90 Prozent erreichen auch Finanzen, Ingenieurwesen und Betriebsanlagen. Am wenigsten systematisch geschult wird mit je 60 Prozent offenbar in Verwaltung und Logistik.
Beispielsweise von den Holländern können die Deutschen in Sachen Qualität der Lernmittel lernen: Mit 86 Prozent liegen die Niederländer gleich sechs Prozentpunkte vor ihrem großen Nachbarn. Besonders kritisch innerhalb des deutschen Rankings sind die Branchen Sicherheit, Kundendienst und Rechtswesen. Hier werden die größten Defizite beklagt.
Ein ähnliches Bild ergab sich, als SkillSoft die 2400 Benutzer nach Schulungsdefiziten fragte. 63 Prozent aller befragten Deutschen fühlen sich für ihre vielfältigen Aufgaben nicht ausreichend qualifiziert. Nur in Frankreich fällt dieser Wert mit 86 Prozent noch deutlich schlechter aus, während sich in Russland nur ein Viertel über Wissenslücken beklagt. Am meisten Nachholbedarf sehen die Befragten in den Bereichen IT/EDV (48 %), Projektmanagement, Mitarbeiterführung und Problemlösung (je über 20 %).
Dabei ist die Ausgangslage in Deutschland nicht schlecht: 87 Prozent der Beschäftigten hierzulande sehen ein, sich auch in der Freizeit weiterbilden zu müssen. Das ist europaweit der beste Wert. Allerdings kritisieren 64 von 100 Befragten, der Arbeitgeber stelle zu wenig Zeit für Schulung zur Verfügung. Vier von zehn halten das Budget nicht für ausreichend, 36 Prozent wünschen sich mehr Flexibilität in der Weiterbildung und 28 Prozent mehr Unterstützung vom Chef.
Interessant für die e-Learning-Szene: Mehr als zwei Drittel der Befragten hält Online-Kurse für die wichtigste Form der Weiterbildung. Das sind 17 Prozentpunkte mehr als der trainergeführte Unterricht (51 %). Immerhin 39 Prozent nennen Blended Learning, also die Mischform von Präsenz- und Digitallernen, als die beste Lösung. An Onlinekursen wiederum schätzen sie besonders einen schnellen Internetzugang (61%), relevante Inhalte (56%) und Flexibilität bzgl. Zeit und Ort (52%). „Graphische und animierte Elemente scheinen den Usern nicht so wichtig zu sein, wie die Anbieter dies lange geglaubt haben,“ so Kerstin Stengel, SkillSoft-Pressesprecherin in Deutschland, zu dem Ergebnis. Der Marktführer führt die relativ guten Ergebnisse für Deutschland auch darauf zurück, dass wenn sich Unternehmen hierzulande erst mit Weiterbildung und e-Learning befasst haben, sie dies umso intensiver tun.
